Pfingstbrief 2026 von Dekan Hermann Friedl: Sicherheit in unsicheren Zeiten

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Freundinnen und Freunde in Gesellschaft und Kirche!

„Ich verspreche dir die Treue in guten und in (schlechten) Tagen … “, so beginnt der Vermählungsspruch zweier sich Liebenden. Ein Versprechen.
Mit einem neuen Papst wird es anders. Mit einer neuen Regierung wird es anders. Mit einem neuen Präsidenten wird es anders. Anders ja, aber wie?

Inmitten aufflammender Kriege in Europa, im Nahen Osten und in anderen Teilen dieser Einen Welt schreien die Menschen geradezu nach der Einlösung des Versprechens, die Kriege unverzüglich zu beenden, auf imperialistische Begierden und Machtansprüche zu verzichten und dem Frieden auf der Erde wieder zu dienen, inklusiv der gerechten Verteilung der Güter und dem verantwortungsvollen Umgang mit der wunderbaren Schöpfung Gottes.

Nicht wenige Verantwortliche in Politik und Gesellschaft versprechen sich: Sie sagen Ja und meinen Nein, sie verhandeln und setzen doch ihre eigenen Interessen durch; was heute zu gelten scheint, ist morgen bereits wieder Makulatur. Auf was oder wen ist denn da noch Verlass? Viele fühlen sich verlassen und unsicher ob der vielen leeren Versprechungen.

Die Heilige Schrift spricht da eine andere Sprache:
„Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen“ (Matthäus 5,37 – Bergpredigt). Und:
„Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, wenn ihr böse seid? Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund“ (Ebd. 12,34).

Was jedoch füllt die Herzen der Menschen? Das stete Motto „Höher, weiter, schneller“, wie es das Lied des deutschen Popsängers Georg Stengel kritisch formuliert, sicherlich nicht; es setzt die Menschen vielmehr unter inneren wie äußeren Druck und macht über kurz oder lang psychisch und physisch krank. Auch der Reißwolf >Social Media< hat die Leute längst im Griff und abhängig, ja süchtig gemacht. Was oder wen aber suchen sie wirklich, wovon versprechen sie sich Sicherheit?

Sucht der Mensch noch Menschen aus Fleisch und Blut, mit Haut und Haaren, mit Gefühlen und Sehnsüchten? Oder bietet mir ein KI-basierter Roboter Sicherheit, der mit mir „spricht“, mir eine heile Zukunft „verspricht“, mich mit Verstorbenen „in Kontakt“ treten lässt und auf den ich mich in meiner inneren Leere und äußeren Verlassenheit absolut „verlassen“ kann?

Für gläubige Menschen ist es – auch bei aller Faszination der modernen Technik gegenüber – die Geistkraft Gottes, die ein gelingendes und erfülltes Leben ermöglicht, unabhängig von konjunkturellem Aufschwung, Wirtschaftswunder und Konsum-maximierung. Ein Kirchenlied formuliert es so:
„Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.
Wie das Feuer sich verbreitet und die Dunkelheit erhellt, so soll uns dein Geist ergreifen, umgestalten unsre Welt.
Wie der Sturm, so unaufhaltsam, dring in unser Leben ein. Nur wenn wir uns nicht verschließen, können wir [Gemeinschaft] sein.
Schenke uns von deiner Liebe, die vertraut und die vergibt. Alle sprechen eine Sprache, wenn ein Mensch den andern liebt“ (Kath. Gebet- u. Gesangbuch “Gotteslob“ 813).

Ich wünsche der Menschheit von Herzen eine erneute Hinwendung zu Gott, über alle großen Religionen hinweg. Die gemeinsame Ausrichtung auf den Einen, „den Schöpfer des Himmels und der Erde“ (Apostolisches Glaubensbekenntnis), stellt unseren Egoismus in den Schatten, lässt die „Sonne der Gerechtigkeit“ (letztes Prophetenbuch Maleachi 3,20) aufleuchten und schenkt uns die gemeinsame – göttliche – Kraft zur Veränderung in Gesellschaft und Kirche. Nur so wird der Friede, den unser gemeinsamer Herr unmittelbar nach seiner Auferstehung seinen Jüngerinnen und Jüngern zugesprochen hat, sich in unserem direkten Umfeld und nicht zuletzt weltweit breitmachen können und zu einem friedlichen Miteinander und einer hoffnungsvollen Zukunft führen!

Mit großer Wertschätzung und Hochachtung spreche ich Ihnen von Herzen meinen aufrichtigen Dank aus, die Sie sich vom Geist Gottes leiten lassen, zu Ihrem Glauben auch in der Öffentlichkeit stehen und sich als Be-Geist-erte in der „Sache Jesu“ (vgl. Neues Geistliches Lied von Peter Janssen) im Dekanat, in der Ökumene, im Landkreis und weit darüber hinaus einbringen, entsprechend den Worten des libanesisch-amerikanischen Dichters und Philosophs Khalil Gibran:
„Jesus ist nicht in diese Welt gekommen, um die Menschen zu lehren, hoch aufragende Kirchen und gewaltige Tempel neben kleinen Hütten und engen Häusern zu errichten, sondern er kam, um die Herzen der Menschen zu Tempeln zu machen, ihre Seelen zu einem Altar und ihren Geist zum Priester.“

Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich die unerschöpfliche Geistkraft unseres Gottes für eine Zukunft in Sicherheit entsprechend den Worten des Psalmisten: „In Frieden leg ich mich nieder und schlafe; denn du allein, Herr, lässt mich [sicher] wohnen“ (Psalm 4,9)!
Gesegnete und be-geist-ernde Pfingsttage sowie liebe Grüße von Haus zu Haus!